Egidio
Länderbericht · 2025-2026

Deutschland-Betrugsbericht: der Stand der Dinge

Drei Bundesbehörden veröffentlichen jährlich eigene Lagebilder zu Betrug und Cyberkriminalität in Deutschland. Hier ist, was BKA, BSI und Bundesnetzagentur für 2025 dokumentieren — und was sich für 2026 bereits abzeichnet.

Die Referenzbehörden

Bundeskriminalamt (BKA)

Veröffentlicht jährlich das Bundeslagebild Cybercrime, gestützt auf die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS). Die Ausgabe 2024 wurde im Juni 2025 vorgestellt.

Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)

Veröffentlicht den Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland, zuletzt in der Ausgabe 2025 für den Zeitraum Juli 2024 bis Juni 2025.

Bundesnetzagentur

Dokumentiert jährlich Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch und veröffentlicht Zahlen zu abgeschalteten Rufnummern, zuletzt für das Jahr 2025 im Februar 2026.

178,6 Mrd. €
Jährlicher Schaden durch Cyberangriffe in Deutschland 2024 — ein Anstieg von über 30 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr.
BKA, Bundeslagebild Cybercrime 2024, veröffentlicht Juni 2025.
32 %
Aufklärungsquote bei Cybercrime-Delikten — deutlich unter der allgemeinen PKS-Quote von 58 %.
BKA, Bundeslagebild Cybercrime 2024.
950
Der Polizei gemeldete Ransomware-Fälle bei Unternehmen und Institutionen, 80 % davon kleine und mittlere Unternehmen.
BSI, Die Lage der IT-Sicherheit in Deutschland 2025 (Zeitraum Juli 2024–Juni 2025).
85.158
Eingaben zu Rufnummernmissbrauch bei der Bundesnetzagentur 2025 — rund 6.200 Rufnummern wurden abgeschaltet.
Bundesnetzagentur, Pressemitteilung, 09.02.2026.

Wer betroffen ist

Die PKS 2024 zählte 131.391 in Deutschland begangene Cybercrime-Fälle, dazu 201.877 zusätzliche Fälle mit Tatort im Ausland oder unbekanntem Tatort — ein Hinweis auf das stark grenzüberschreitende Muster der Kriminalität. Bei Ransomware sind laut BSI vor allem kleine und mittlere Unternehmen betroffen (80 % der gemeldeten Fälle). Bei Rufnummernmissbrauch bleiben laut Bundesnetzagentur SMS- und Messenger-Spam sowie aggressives Anrufverhalten die meistgemeldeten Probleme des Jahres 2025 — häufig unter dem Vorwand angeblicher Zollgebühren für Pakete, vermeintlicher Notlagen von Angehörigen, oder gefälschter Virenwarnungen mit Support-Hotline.

Warum sich das Bild gerade jetzt verschiebt

Zwei Entwicklungen laufen parallel. Erstens ein struktureller Rückgang klassischer Maschen: die Bundesnetzagentur beobachtet 2025 einen Rückgang des klassischen Enkeltricks per Telefonanruf, den sie technischen Maßnahmen und Aufklärung zuschreibt. Zweitens eine neue Generation ausgefeilterer Varianten: Die Verbraucherzentrale Brandenburg warnte im Januar 2026 vor Schockanrufen, bei denen Kriminelle mit generativer KI die Stimme von Angehörigen oder Freunden nachahmen — kurze Sprachfragmente aus sozialen Netzwerken genügen dafür bereits. Der klassische Trick verschwindet also nicht, er wird durch eine technisch aufgerüstete Version ersetzt. Mehr zum Mechanismus dahinter im Dossier Generative KI & Stimm-Deepfakes.

Ausblick 2026

Der BSI-Lagebericht 2025 registriert im Schnitt 119 neue Sicherheitslücken pro Tag — mehr als je zuvor — und ordnet die IT-Sicherheitslage in Deutschland weiterhin als angespannt ein. Gleichzeitig verzeichnen internationale Ermittlungserfolge eine gewisse Stabilisierung im Bereich Cybercrime, laut BSI. Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das: kein einheitlicher Trend, sondern eine Verschiebung — weniger plumpe Maschen, mehr technisch aufwendige, personalisierte Angriffe über mehrere Kanäle gleichzeitig.

🔒 Eine strukturierte Industrie hinter dem Spam, die auch deutsche Nummern betrifft: siehe die europaweite Operation SIMCARTEL im Dossier SIM-Farmen & kriminelle Callcenter.

Häufige Fragen

Wer dokumentiert offiziell Betrug und Cyberkriminalität in Deutschland?

Das Bundeskriminalamt (BKA) veröffentlicht jährlich das Bundeslagebild Cybercrime auf Basis der Polizeilichen Kriminalstatistik. Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) veröffentlicht den Lagebericht zur IT-Sicherheit in Deutschland. Die Bundesnetzagentur dokumentiert Rufnummernmissbrauch, und die Verbraucherzentralen warnen laufend vor aktuellen Betrugsmaschen.

Wie hoch ist der Schaden durch Cyberkriminalität in Deutschland?

Laut BKA-Bundeslagebild Cybercrime 2024 belief sich der jährliche Schaden durch Cyberangriffe in Deutschland auf 178,6 Milliarden Euro — ein Anstieg von über 30 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr. Die Aufklärungsquote lag bei nur 32 %, deutlich unter der allgemeinen PKS-Quote von 58 %.

Welche Betrugsmasche breitet sich in Deutschland gerade am stärksten aus?

Die Verbraucherzentralen warnen seit Januar 2026 verstärkt vor Schockanrufen mit KI-Stimmklonen, bei denen kurze Sprachfragmente aus sozialen Netzwerken reichen, um die Stimme eines Angehörigen täuschend echt nachzuahmen. Gleichzeitig bleibt SMS- und Messenger-Spam laut Bundesnetzagentur das meistgemeldete Problem des Jahres 2025.

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